Ulmensorten für städtische Standorte in Deutschland
Die Gattung Ulmus umfasst rund 30 Arten und zahlreiche Kultivare, von denen ein Teil für den städtischen Einsatz ausgewählt wird. Bei der Sortenauswahl spielen Resistenz gegen die Holländische Ulmenkrankheit, Verträglichkeit mit verdichtetem Untergrund und die Eignung für das jeweilige Stadtklima eine zentrale Rolle.
Heimische Ulmenarten und ihre Eigenschaften
Feldulme (Ulmus minor)
Die Feldulme ist in Mitteleuropa weit verbreitet und wurde historisch häufig in Alleen gepflanzt. Sie verträgt trockene und basenreiche Böden vergleichsweise gut und wächst vergleichsweise schnell. Sie gilt jedoch als anfällig für die Holländische Ulmenkrankheit und ist in ungeschützten Beständen stark dezimiert worden.
Bergulme (Ulmus glabra)
Die Bergulme bevorzugt frischere, tiefgründige Standorte und ist in Süd- und Westdeutschland in Hangwäldern und Schluchten anzutreffen. Für trockene Stadtstandorte ist sie weniger geeignet. Die Resistenz gegenüber der Ulmenkrankheit ist mäßig.
Flatterulme (Ulmus laevis)
Die Flatterulme wächst natürlich in Auwäldern und verträgt zeitweise Überstauung. In der Stadt ist sie weniger verbreitet, wird aber gelegentlich in Niederungen und Grünanlagen eingesetzt. Gegenüber der Ulmenkrankheit gilt sie als weniger anfällig als Feldulme und Bergulme.
Resistente Hybridsorten für städtische Alleen
Seit den 1960er Jahren werden weltweit Zuchtprogramme durchgeführt, um Ulmensorten mit Resistenz gegen Ophiostoma ulmi und Ophiostoma novo-ulmi zu entwickeln. Einige der daraus hervorgegangenen Sorten sind mittlerweile im deutschen Handel und in kommunalen Pflanzlisten erhältlich.
'Lutèce'
'Lutèce' ist eine in Frankreich entwickelte Hybridsorte (Ulmus ×hollandica), die sich durch hohe Resistenz gegen die Holländische Ulmenkrankheit und gute Stadtverträglichkeit auszeichnet. Sie wächst aufrecht, bildet eine schmal-ovale Krone und erreicht eine Endhöhe von etwa 20–25 Metern. In Deutschland wird sie von verschiedenen Baumschulen angeboten.
'Rebona'
'Rebona' ist eine deutsche Züchtung, die ebenfalls Resistenz gegen die Ulmenkrankheit zeigt. Sie wird von der Bundesanstalt für Züchtungsforschung für den Einsatz in Städten empfohlen. Ihr Wuchs ist mittelhoch und der Kronenaufbau kompakt, was sie für enge Straßenräume geeignet macht.
'Resista'
'Resista' ist eine niederländische Hybridsorte mit breitem Überdachungseffekt. Sie wird in Deutschland vor allem in Alleen eingesetzt, die mehr Kronenlicht zulassen sollen. Ihr mittleres Wachstum und die dokumentierte Krankheitsresistenz machen sie zu einer gängigen Wahl in kommunalen Neuanpflanzungen.
Stadtklimatolische Anforderungen
Ulmen auf städtischen Standorten sind Hitze, Trockenheit, Bodenverdichtung und erhöhten Salzeinträgen durch Winterdienst ausgesetzt. Folgende Eigenschaften sind bei der Sortenauswahl relevant:
- Trockentoleranz: Stadtböden trocknen schneller aus als Landstandorte; Sorten mit tiefem Wurzelwerk oder Adaptation an Trockenheit sind im Vorteil.
- Salztoleranz: Straßenbäume nahe der Fahrbahn erhalten im Winter erhöhte Salzbelastung durch Taumittel.
- Wurzelraumtoleranz: In befestigten Flächen stehen Baumscheiben und Baumgruben zur Verfügung; die Sorte muss mit begrenztem Wurzelvolumen zurechtkommen.
- Kronengröße: Leitungsabstände, Durchfahrtshöhen und Lichtraumprofile geben die maximal zulässige Kronengröße vor.
Kommunale Pflanzlisten
Viele deutsche Städte führen sogenannte Stadtbaumlisten, in denen geeignete Arten und Sorten für unterschiedliche Standortbedingungen aufgeführt sind. Städte wie Berlin, München und Hamburg veröffentlichen diese Listen und aktualisieren sie regelmäßig. Ulmen mit nachgewiesener Resistenz und Stadtverträglichkeit sind in solchen Listen zunehmend vertreten.
Weiterführende Informationen
Sorteninformationen und Prüfergebnisse für Stadtbäume stellt das Julius Kühn-Institut bereit. Stadtbaumlisten einzelner Kommunen sind über die jeweiligen Grünflächenämter abrufbar.