Holländische Ulmenkrankheit: Erkennen, Verlauf und Maßnahmen
Die Holländische Ulmenkrankheit (Dutch Elm Disease, DED) hat seit ihrem erstmaligen Auftreten in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Ulmenbestände in ganz Europa und Nordamerika erheblich reduziert. In deutschen Städten sind zahlreiche Alleen und Parkbäume dieser Krankheit zum Opfer gefallen.
Erreger und Übertragungswege
Die Ulmenkrankheit wird durch zwei nahverwandte Pilzarten verursacht: den ursprünglichen Erreger Ophiostoma ulmi und den aggressiveren Ophiostoma novo-ulmi, der seit den 1970er Jahren in Europa verbreitet ist. Beide Pilze werden hauptsächlich durch rindenbrütende Borkenkäfer der Gattung Scolytus übertragen.
Der Käfer trägt Pilzsporen beim Frassfressen in den Triebspitzen gesunder Bäume ein. Dort gelangt der Pilz in das Gefäßsystem und breitet sich schnell im Xylem aus. Eine zweite Übertragungsroute sind Wurzelverbindungen zwischen benachbarten Ulmen: Verwachsen die Wurzelsysteme, kann der Pilz ohne Beteiligung des Käfers von Baum zu Baum wandern.
Symptome und Krankheitsverlauf
Frühe Symptome
Das erste sichtbare Zeichen ist ein plötzliches Welken einzelner Äste oder Triebspitzen, häufig ab Mai oder Juni. Die Blätter werden gelb, rollen sich ein und hängen am Ast, ohne zu fallen. Dieses Welken beginnt typischerweise an den Triebspitzen und schreitet abwärts vor.
Gefäßverfärbung
Ein diagnostisch verlässliches Merkmal ist die Braunverfärbung im Querschnitt befallener Äste oder junger Stämme. Der Pilz verschließt die Leitgefäße, wodurch Wasser und Nährstoffe nicht mehr transportiert werden können. Bei einem Querschnitt durch einen befallenen Ast zeigt sich ein charakteristischer brauner Ring oder Halbkreis im Splintholz.
Absterben des Baums
Bei anfälligen Sorten kann ein befallener Baum innerhalb einer Vegetationsperiode absterben. Bei etwas widerstandsfähigeren Individuen kann der Prozess über mehrere Jahre verlaufen, wobei sich die welken Bereiche von Jahr zu Jahr ausdehnen.
Befallsrisiko in Städten
Städtische Ulmen sind aus mehreren Gründen besonders gefährdet: Eng gepflanzte Bäume fördern Wurzelverwachsungen; geschwächte Bäume durch urbanen Stress (Hitze, Trockenheit, Bodenverdichtung) sind anfälliger für Borkenkäferbefall; und die Käferpopulationen finden in Holzlagerplätzen und nicht rechtzeitig abgefahrenem Stubbenholz Brutstätten.
Maßnahmen für Kommunen
Frühzeitige Befallskontrolle
Regelmäßige Baumkontrollen durch ausgebildete Baumkontrolleure im Frühjahr und Frühsommer ermöglichen eine frühzeitige Entdeckung. Bei Verdacht auf Befall sollte die Diagnose durch einen Fachbetrieb oder eine Pflanzenschutzbehörde bestätigt werden.
Beseitigung befallener Bäume
Befallene Bäume sollten möglichst rasch gefällt und das Holz umgehend abtransportiert oder gehackt werden. Fällgut darf nicht auf Holzlagerplätzen verbleiben, da dort der Käfer weiter brüten kann. In einigen Bundesländern bestehen konkrete Handlungsempfehlungen oder Pflanzenschutzverordnungen zum Umgang mit befallenen Bäumen.
Unterbrechung von Wurzelverbindungen
Wo Ulmen in enger Reihe stehen, kann die Anlage von Wurzelbarrieren zwischen den Bäumen eine Ausbreitung über den Wurzelweg verlangsamen. Diese Maßnahme ist aufwendig, kann aber in besonders wertvollen Beständen erwogen werden.
Biologische Kontrolle
Forschungseinrichtungen wie das Julius Kühn-Institut untersuchen Möglichkeiten der biologischen Kontrolle des Borkenkäferbefalls. Praktische kommunale Anwendungen sind derzeit noch begrenzt.
Ersatzbepflanzung
Nach dem Verlust befallener Ulmen stehen Kommunen vor der Frage der Nachpflanzung. Bewährte resistente Ulmensorten wie 'Lutèce', 'Rebona' oder 'Resista' erlauben eine Wiederbelebung der Alleebepflanzung mit Ulmen. Alternativ kommen andere Arten wie Zerr-Eiche (Quercus cerris) oder Blumenesche (Fraxinus ornus) als trockentolerante Ersatzarten in Betracht.